Taner Aktaş

Gastbeitrag von Taner Aktaş: Meine persönlichen Erfahrungen mit „Vorurteilen“ gegenüber den Islam.

Vor einiger Zeit saß ich in einem Café.
Neben mir saßen zwei deutsche Damen mittleren Alters, die sich rege über den Islam unterhielten.
Um ehrlich zu sein – ihr Wissen über den Islam bestand praktisch nur aus teils absurden Anhäufungen von Vorurteilen und Lügen (unter anderem aus den Medien und dem eigenen Umfeld aufgeschnappt und durch eigene Ängste veredelt) und hatte mit dem Islam, den ich selbst übrigens auch praktiziere und kenne, nichts zu tun.
Irgendwann schwankte ihr Blick in meine Richtung – klar, ich bin ein dunklerer Typ und sehe sehr orientalisch aus.
Da ich zu allem Übel auch noch einen Dreitagebart trage und etwas muskulöser gebaut bin, passte ich wie die Faust auf’s Auge in das Bild, dass die Damen offensichtlich vom „Muselmann“ hatten:
Der muslimische Macho schlägt hobbymäßig Frauen, sitzt den ganzen Tag im Café und trinkt seinen türkischen Tee. Zudem hat er das Potential, die nächste Galeria Kaufhof Filiale in die Luft zu jagen.
Ich wusste so ziemlich genau, was in den Köpfen dieser zwei Damen vorging und gebe zu, dass ich sie (hätten sie nicht so einen Mist geredet) für 2 gebildete und friedvolle Damen gehalten hätte, denn auch ich bin westlich sozialisiert und genau so sehr ist MEIN Bild vom ‚gebildeten Menschen‘ manipuliert.
Wir denken meist unbewusst, dass die Menschen mit hellem Hautton eher dazu geneigt sind, gebildet/tolerant/friedliebend zu sein. Glücklicherweise konnte ich mich aber im Großen und Ganzen vom üblichen Schubladendenken gegenüber anderen Menschen befreien, denn so sieht man die Welt viel realistischer und aus einem ganz besonderen Blickwinkel.
Ich schaute diese beiden blonden Frauen nun auch so lange an, bis sie mich mit in ihr Gespräch involvierten.
Ich ging aber nicht auf ihr Thema ein, sondern gab mich als den unwissenden Türken aus, der einiges über das anstehende Osterfest wissen wollte.
Leider konnten die Damen nicht sehr viel darüber erzählen.
Nach einiger Zeit begann ich dann mein Wissen über Ostern mit ihnen zu teilen.
Dass z.B. eigentlich vieles mit dem Karneval anfängt, denn ‚Carnevale'(lat.) bedeutet etwa „ohne Fleisch“/ „ohne Genüsse“ und leitet mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit ein.
Diese dauert zwar 49 Tage, aber es wird 42 Tage gefastet, denn an den Sonntagen wird nicht gefastet.
Grun-/Gründonnerstag wird getrauert.
Der Karfreitag ist auch der wichtigste Tag der Christen, denn an diesem Tag stirbt Jesus Christus am Kreuz und opfert sich für alle Menschen auf dieser Welt.
Am Ostersonntag sieht Maria Magdalena den Heiligen Geist und geht davon aus, dass Jesus auferstanden ist.
Die beiden Damen schauten mich verdutzt an und gaben auch zu, dass sie diesbezüglich nicht so viel wussten.
Ich fragte die beiden Damen, wie alt sie waren.
Sie waren um die 40 Jahre alt.
Ich fragte sie dann konkreter:
„Ihr lebt seit 40 Jahren in einem christlichen Land. Seid in einer christlichen Familie aufgewachsen und selbst Christen, aber wisst eigentlich nichts über eure Religion. Wieso denkt ihr dann, über meine Religion urteilen zu müssen?“
Es ist unglaublich…
Sie wissen fast nichts über ihre eigenen Traditionen oder Kulturen, aber denken, dass sie über andere entscheiden müssen?
Mein Wissen über Ostern basiert übrigens auf Hörensagen und ist keine wissenschaftliche Arbeit.
Daher bitte ich beiläufig auch einige, dies so zur Kenntnis zu nehmen.
Ich wünsche allen Christen ein frohes Osterfest!
Euer Taner Aktas

 

Quelle: http://www.facebook.com/1510114562639544/photos/a.1510217902629210.1073741828.1510114562639544/1785061185144879
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