Facebook-Arvato-Bertelsmann

Bertelsmann-Tochter Arvato richtet Facebook-Zensur gegen PKK-kritische Türken

Als Facebook 2011 seine Nutzungsbedingungen geändert hatte und in diesem Zusammenhang interne Handlungsanweisungen zum Umgang mit gemeldeten Inhalten an die Öffentlichkeit drangen, ging aus diesen noch hervor, dass das US-amerikanische Unternehmen eine recht ausgewogene Position zwischen – der US-Gesetzgebung entsprechend – möglichst großer Meinungsäußerungsfreiheit und dem Schutz von Minderjährigen bezog.

Außerdem reagierte man sensibel auf die Sicherheitsbelange der Türkei: Propaganda für die terroristische PKK oder Schmähungen des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk sollten demnach nicht nur gelöscht, sondern die Meldungen darüber auch dem Staatsanwalt weitergeleitet werden.

Seit Justizminister Heiko Maas die Kontrolle über die Inhalte in Deutschland verbreiteter Facebook-Inhalte gemacht hat und in Absprache mit dem Unternehmen die Bertelsmann-Tochter Arvato Inhalte überprüfen lässt, scheint ein Abrücken von der ursprünglichen Unternehmenspolitik stattzufinden und das deutsche Wesen die Social-Media-Welt genesen zu lassen.

Entsprechend ist auch an die Stelle US-amerikanischer Standards der Meinungsäußerungs- und Informationsfreiheit die politische Ideologie getreten zu sein, für die Bertelsmann und sein Medienprogramm stehen.

Während es immer noch schwierig ist, islamfeindliche oder PKK-verherrlichende Inhalte löschen zu lassen, werden zunehmend PKK-kritische Inhalte und satirische Beiträge gelöscht, die lediglich die Aktivitäten der Terrororganisation dokumentieren und anprangern. Die Löschung beruht dann regelmäßig auf der bloßen Abbildung von PKK-Symbolen auf Bildern, ohne auf den Sinnzusammenhang zu achten, in dem diese gezeigt werden.

Facebooks Löschregeln
Facebooks Löschregeln

Die blindwütige Zensur macht auch vor prominenten Persönlichkeiten der türkischen Einwanderercommunity nicht Halt. So wurde vor einigen Tagen, nachdem bereits der private Account gesperrt worden war, auch die Fanseite des Unternehmers und Aktivisten Remzi Aru gelöscht, die mehr als 20 000 Follower aufwies. Anlass war die Dokumentation von Bildern, die PKK-Terroristen und ihr Sprengstofflager zeigten.

Auch der Künstler Bilgili Üretmen, der regelmäßig mit pointierten Videos zu aktuellen Fragen der türkischen Politik und der türkischen Einwanderercommunity Stellung bezieht, wurde zum Opfer der Facebook-Zensur. Eine effektive Einspruchsmöglichkeit gegen die oft willkürlichen und organisierten Meldeaktionen von PKK-Anhängen geschuldeten Maßnahmen gibt es nicht.

Remzi Aru, der zu Beginn des Jahres mit „Feindbild Europas – Erdoğan und die türkische Mehrheitsgesellschaft“ sein erstes Buch veröffentlichte, hat, um der Zensur zu entkommen, bereits eine eigene Informationsplattform gegründet. Bilgili Üretmen nutzt neben Facebook noch einen eigenen YouTube-Kanal. Beide Aktivisten zeigen sich entschlossen, nicht den Bertelsmann-Konzern letztgültig über die Reichweite der Meinungsfreiheit in Deutschland bestimmen zu lassen.

 

Quelle: http://www.turkiyegazetesi.de/de/bertelsmann-tochter-arvato-richtet-facebook-zensur-gegen-pkk-kritische-tuerken/

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